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Donnerstag, 28. Januar 2010

Religion ja oder nein? – Ein kommentierender Bericht zur Dritten Bayreuther Debatte

"Religionen sind nicht die Wurzel allen Übels, aber sie haben dazu beigetragen, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Unmenschlichkeit war". Mit dieser provokanten These stieg Michael Schmidt-Salomon in die Debatte ein. "Deutschlands Chef-Atheist" (so Der Spiegel) war erster Pro-Sprecher zur Frage "Leben wir ohne Religion(en) besser?" bei der Dritten Bayreuther Debatte, zu der der VDCH-Club Akademie für politisch-institutionelle Konfliktsimulation (AKPIKS) illustre Gäste geladen hatte. Religionskritiker und Religionsbefürworter traten jeweils zu dritt an. Jeder Redner durfte acht Minuten lang reden, Zwischenfragen und -rufe gab es nicht.

Das führte leider dazu, dass die Reden recht statisch waren; wenig gingen die Redner aufeinander ein. Trotzdem: Dass die Debatte überhaupt so stattfand, wertete Schmidt-Salomon, der sich selbst gar nicht als Atheist bezeichnet sondern als "Naturalist", schonmal als Erfolg: "Wer hätte gedacht, dass sich mal ein echter amtlicher Erzbischof freiwillig öffentlich mit Religionskritikern auseinandersetzt?", sagte er in seiner Rede. Die meisten Christen seien gar keine, postulierte er; wenn man mal die grundlegenden Glaubenssätze abfrage, bekäme man Zustimmungswerte um die dreißig Prozent. Dann zählte er eine Reihe von Verbrechen auf, die er auf die ein oder andere Weise dem Christentum zuschrieb: Antisemitismus, Kriege, Ausgrenzung von Homosexuellen… Fazit in seiner Rede jedenfalls: Ja,ohne Religion lässt's sich besser leben – aber damit das für alle gilt, ist noch eine Menge Aufklärung nötig. (Heißt das nun, dass es sich ohne diese Aufklärung im Moment vielleicht doch mit Religion(en) ganz gut leben lässt?) Erst später im Gespräch im kleinen Kreis bekannte der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung differenzierter: "Die Religionen sind die kulturellen Schatzkammern der Menschheit"; man müsse aber eben das Sinnvolle vom Menschenverachtenden trennen. (So ein Satz hätte auch der Debatte nicht geschadet – und dann noch eine Auseinandersetzung damit, was denn nun das Sinnvolle sei, das suchte man in der Rede nämlich vergebens.)

Auf der Gegenseite sprach der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick. Er füllte seine Redezeit nicht ganz und konzentrierte sich auf das Christentum; er wolle nicht allgemein über Religionen reden, das sei ihm zu unkonkret, vielmehr vertrete er das Christentum und stelle daher auch Jesus Christus in die Mitte. Der Bischof sprach darüber, dass sich mit Christus ein menschenfreundlicher Gott offenbart habe, der Menschen Heilung und Gefangenen Befreiung bringe und der sich für Wahrheit und Recht einsetze. Schick argumentierte, die Christen hätten die griechische und römische Kultur in unsere Zeit weitergetragen (Aha! Interessant! Da fragt man sich doch, warum uns in der Schule immer diese Geschichte mit dem Umweg über die Bibliotheken in islamisch geprägten Ländern erzählt wird…) und in Kindergärten, Schulen, im ganzen Sozialsystem sehe man Christen, die Gutes tun. Auch seien Christen in Konzentrationslagern gestorben, hätten Widerstand gegen Hitler geleistet usw. Erzbischöfliches Fazit nch sechs von acht Minuten: Religion macht Leben und Sterben erfüllender.

Schmidt-Salomon trat gemeinsam mit Mina Ahadi an, einer Exil-Iranerin, die in ihrer Rede endgültig vom eigentlichen Thema wegführte und vor allem ihre eigene Lebenserfahrung theamtisierte. Der (politisch-instrumentalisierte) Islam im Iran habe ihr den Mann genommen, ihre Mutter einsam gemacht, steinige Frauen… Das Fazit der Vorsitzenden des Zentralrats der Ex-Muslime: "Ich hasse Religion!" Sie fordert weniger Geduld und "falsch verstandene Toleranz" gegenüber Religionen, die Verbrecherisches anrichten. (Nun, sind es die Religionen? Oder sind es verbrecherische Regime, die Religion zur Begründung für ihr tun missbrauchen?)

Auf der Seite der Religionsfreunde war als zweite Rednerin eine gläubige Muslima an der Reihe: Die Islamwissenschaftlerin Rabeya Müller. (Sie trug ein Kopftuch; verwehrte sich aber gegen eine Diskussion der "K-Frage", das seien Äußerlichkeiten. Nun, wäre das Kopftuch nur eine Äußerlichkeit für sie, dann trüge sie es kaum aus religiöser Überzeugung. Das tat sie aber offenbar: Zum Headset-Aufsetzen bestand sie auf Privatsphäre und zog sich alleine zurück, um ihr Kopftuch nicht vor anderen zu lüften.) Müller ging (etwas spät in der Debatte) auf Schmidt-Salomon ein und betonte, die Abwesenheit von Religion führe nicht zur Abwesenheit von Gewalt. Schließlich hätten auch Atheisten abscheuliche Verbrechen begangen, man denke nur an die Jakobiner, Hitler und Stalin.

Die Schlussreden: Auf der Seite der Religionskritiker gehalten von Paul Schulz, der als "Hamburger Kirchenrebell" bekannt ist. Er verlas ein Manifest, in dem er dazu aufforderte, sich von der Fremdherrschaft durch Götter frei zu machen und die Zuhörer mit seiner Wahrheit konfrontierte: "Es hilft Ihnen kein Gott – weder in Haiti noch sonstwo". Auf der Seite der Religionen trat die ehemalige Bundesministerin Andrea Fischer (Bündnis 90 / Die Grünen), Unterstützerin der Initiative "Pro Reli" in Berlin, an, die sich wieder darauf konzentrierte, davon zu berichten, was Religion für sie persönlich in ihrem Leben bedeute: Liebe empfangen und geben können. Außerdem legte sie Wert darauf, dass auch sie (wie alle Redner/innen der Debatte) für eine Trennung von Politik und Religion eintrete. Sie selbt habe nämlich da und dort Probleme mit ihrer Kirche, so die Katholikin, zum Beispiel wenn es um die Ehe für Homosexuelle gehe. Aber letztlich entscheide das ja dann nicht nicht Kirche.

Für die gut besuchte und gut organisierte Veranstaltung zeichnete Steffen Hahn vom AKPIKS verantwortlich, moderiert wurde sie von VDCH-Präsident Tim Richter, der das traurige Los vieler Moderatoren teilte, am Besten vorbereitet zu sein und am Wenigsten sagen zu dürfen. Das Audimax der Bayreuther Universität war gut gefüllt (der ein oder andere Debattant erinnert sich an das Audimax: Themenverkündungsraum bei der DDM 2007). Das Publikum war bunt gemischt: Neben vielen Studenten waren auch zahlreiche Menschen jeden Alters aus der Bayreuther Bevölkerung gekommen. Für den Bischof schien gar ein kleiner "Fanclub" gekommen zu sein, eine Dame bat seine Exzellenz nach der Debatte um ein Autogramm.

Sonntag, 24. Januar 2010

Die VDCH-Turnierserie hat ihren ersten Sieger 2010: Debattierclub Greifswald gewinnt die ZEIT DEBATTE in Stuttgart!

Sarah Jaglitz und Rafael Heinisch vom Debattierclub Greifswald haben die erste ZEIT DEBATTE des Jahres 2010 gewonnen. Im Stuttgarter Wilhelmspalais konnten sich die beiden am Sonntagnachmittag aus der Eröffnenden Regierung heraus gegen Tim Richter und Gudrun Lux vom Debattierclub Bonn (Eröffnende Opposition), Moritz Niehaus und Clemens Lechner von der Debattiergesellschaft Jena (Schließende Regierung) und Patrick Ehmann und Farid Schwuchow von der Berlin Debating Union (Schließende Opposition) durchsetzen. Zum besten Redner kürte die Ehrenjury Clemens Lechner.

Ausgezeichnet: Rafael, Clemens und Sarah (v.l., Foto Kun Yin, DCS)

Das Finalthema lautete "Dieses Haus würde Parteispenden verbieten"; juriert wurde das Finale von Isabelle Loewe (DC Bonn), Marcus Ewald (DCJG Mainz), Andreas Lazar (DC Stuttgart), Yin Cai (DC Heidelberg), Markus Dankerl (DC München), Jonas Werner (DC Magdeburg) und Lukas Haffert (DC St. Gallen).

Zuvor hatten Bonn und Berlin die Teams von Wortgefechte Potsdam und DebaDo Dortmund im Halbfinale zum Thema "Dieses Haus würde Geldstrafen proportional zum Einkommen ausgestalten" hinter sich gelassen. Jena und Greifswald konnten im zweiten Halbfinale Teams des Debattierclub München und des DCJG Mainz besiegen.

Herzlichen Glückwunsch Sarah, Rafael und Clemens! Vielen Dank Debattierclub Stuttgart!

Montag, 18. Januar 2010

Er­folg­rei­ches “Spea­kers Cor­ner” zu Po­li­ti­cal Cor­rect­ness in Mün­chen

Die neuen Veranstaltungsreihe "Speakers Corner" des Debattierclub München ist fulminant gestartet: Über hundert Gäste kamen in den Club Substanz zur Debatte mit dem Thema "Sollen wir Political Correctness abschaffen?" - sie konnten sich bei durch ein besonderes Format selbst in die Debatte einbringen: Jeweils drei Redner standen einander auf Pro- und Contraseite gegenüber, mit einer Redezeit von fünf Minuten. Doch auch der "siebte Mann", das Publikum, kam zu Wort. "Mitmachen statt Abnicken" war das Motto und so durfte das Publikum nach jeder Rede drei Fragen stellen. Die Idee kam gut an und die Chance wurde rege genutzt: Das Publikum stellte nicht nur zahlreiche intelligente, sondern auch durchaus witzige Fragen.

Vor der Debatte stimmte das Publikum (wenn auch denkbar knapp) für die Abschaffung der Political Correctness, nach der Debatte befand eine Mehrheit die Beibehaltung dieser Spielregeln für wünschenswert. Die Jury aus Medienleuten und Politikern kam zu einem anderen Schluss - sie sah die Pro Seite vorne. Bester Redner in den Augen der Jury war Ronald Heinrich, Publikumsliebling Lukas Windhager. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stefan Brainbauer.

Ronald und Lukas waren gemeinsam mit Marco Witzmann für die Abschaffung der Political Correctness eingetreten, auf der Contraseite hatten Markus Dankerl, Almut Graebsch und Valerio Morelli dagegengehalten.

Schonmal vormerken: Die Reihe "Speakers Corner" wird am 21. März 2010 im Substanz fortgesetzt!



Das "Speaker Corner"-Team nach der Debatte im Substanz in München

Text: Almut Graebsch, DC München

Sonntag, 17. Januar 2010

Kurzmeldungen aus der Szene

WUDC Nachlese 5: Der Debattierklub Wien hat auf seiner Internetseite einen Bericht über die Debattierweltmeisterschaft aus österreichischer Sicht veröffentlicht.

DebaDo vs. SPD: Die erfolgreich gestartete Reihe "DebaDo gegen den Rest der Welt" der Debatte Dortmund (DebaDo) wird am Dienstag, 19. Januar, mit einer Showdebatte gegen SPD-Landtagskandidaten fortgesetzt. DebaDo hat heute bekannt gegeben, wer für die Partei ins Rennen gehen wird: Die beiden Landtagsabgeordneten Gerd Bollermann und Rainer Bovermann werden gemeinsam mit der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Dortmunds Nadja Lüders "eine Schule für alle" fordern. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei. Sie findet statt am 19. Januar um 18 Uhr im CDI-Gebäude, Vogelspothsweg 78, Raum 022/023, Dortmund.

Samstag, 16. Januar 2010

Gelungener Auftakt der Reihe "DebaDo gegen den Rest der Welt"

Vor Beginn der Show-Debatte dreier grüner Politiker/innen gegen die Debatte Dortmund (DebaDo), schien der Sieger schon festzustehen: Nur zwei Zuschauer outeten sich als Gebührenbefürworter. "Studiengebühren abschaffen" war das Thema, ausgewählt hatten es die Martin Tönnes, Daniela Schneckenburger und Ingrid Reuter - alle kandidieren für die Grünen für den nordrheinwestfälischen Landtag, der im Mai neu gewählt wird. Sonja Kronz, Jörn Hahn und Martin Krümpel vom DebaDo verteidigten die Studiengebühren.

"Studiengebühren gefährden den Standort Deutschland", so Martin Tönnes in seiner Eröffnungsrede. Die Oppositionsführerin Sonja Krontz - Statistik-Studentin im ersten Semester - gab mit ihrer Rede kräftig Contra. Als Grünen-Chefin Daniela Schneckenburger eine Zwischenfrage stellen wollte, bremste Sonja die Politikerin regelkonform aus. Beim Debattieren entscheiden schließlich die jeweiligen Redner, ob sie eine Zwischenfrage zulassen oder nicht. Einer Parteichefin passiert so was eher selten…

Die Sprecherin der grünen Ratsfraktion in Dortmund, Ingrid Reuter, machte klar, dass die Grünen die Studiengebühren abschaffen wollen und auch schon entsprechende Anträge gestellt haben. Das veranlasste Oppositions-Mitglied Markus Krümpel - Student der Germanistik, Theologie und Geschichte - provokativ zu fragen, wem die Grünen bei der angespannten Haushaltslage das Geld dafür "aus der Tasche ziehen wollen". Reuter erklärte dem auf eine Antwort beharrenden Debattierer, dass es auf klar auf politische Prioritäten ankomme.

Oppositions-Redner Jörn Hahn, DebaDo-Vizepräsident, stellte dem entgegen, dass es ungerecht sei, Studenten nicht an den anfallenden Kosten zu beteiligen, während im Handwerk für einen Meisterkurs oftmals ein paar tausend Euro fällig werden. Warum sollten nur Meister mit Schulden ins Leben starten und nicht auch Uni-Absolventen? Damit unterzog die Opposition das Thema der Gerechtigkeitsprüfung. "Entscheidend für die Bildungs-Karriere eines Kindes ist die Kindergartenzeit", so Jörn Hahn, "und die kostet, obwohl sie so wichtig ist".

Die seit 2006 amtierende Landesvorsitzende der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Daniela Schneckenburger, beharrte darauf, dass man weniger Zugangshürden zum Studium schaffen sollte, denn es sei falsch, ein Studium auf Pump zu finanzieren. Um das Bildungswesen auszubauen forderte sie 20 Jahre nach der Einheit den Solidaritätszuschlag zum Aufbau Ost zumindest teilweise in einen Bildungs-Soli umzuwidmen.

Als letzter Redner des Abends trat Markus Krümpel ans Pult. Er stellte klar heraus, wo die Knackpunkte dieser Debatte aus Sicht der Studierenden von DebaDo lagen: Studienbeiträge seien wichtiger Bestandteil der Hochschulfinanzierung und sie machten die Bildungslandschaft entgegen aller Beteuerungen von Gebührengegnern ein Stückchen gerechter.

Bei der Schlussabstimmung schien es plötzlich drei Gewinner zu geben: Die Vertreter von DebaDo, weil sich nun statt zwei immerhin neun Zuschauer auf ihre Seite stellten, die Grünen, weil sie die Debatten laut Publikum trotzdem klar gewannen, und alle Freunde des Debattierens, die eine unterhaltsame Debatte geboten bekamen. Und diese Showdebatte war nur der Auftakt zur Reihe "DebaDo gegen den Rest der Welt". In den kommenden Wochen werden sich Rednerinnen und Redner des Dortmunder Clubs mit Landtagskandidaten von SPD, FDP und der Piratenpartei rhetorisch messen.

Ein Artikel über die Showdebatte von einer Dortmunder Debattiererin ist bei Steadynews erschienen.

Text: Tobias Raschke, DebaDo

Donnerstag, 14. Januar 2010

Sollen wir Political Correctness abschaffen? - Showdebatte in München

"Anstand oder Maulkorb? Sollen wir Political Correctness abschaffen?" Dieser Frage stellt sich der Debattierclub München am Sonntag, 17. Januar, um 20 Uhr bei seiner Showdebatte im "Substanz". Die Debatte bezieht das Publikum aktiv mit ein: Nach jeder Rede wird dem Publikum Gelegenheit gegeben, Fragen zu stellen und den Redner oder die Rednerin auf Herz und Nieren zu prüfen. Münchens Clubpräsidentin Almut Graebsch schreibt im Weblog des Münchener Clubs: "nach dem Motto: Mitmachen statt Abnicken!" Zwei Dreierteams des DC München treten gegeneinander an, die Entscheidung über den Sieg trifft eine Jury, der folgende Journalisten und Politiker angehören werden: Christian Joos von der Abendzeitung München, Michael Zirnstein von der Süddeutschen Zeitung (Extra), Michael Köppel vom Bayerischen Rundfunk (On3 Südwild), Stadtrat Florian Vogel von den Grünen und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Piratenpartei Bayern Ronald Jungnickel.

Showdebatte des DC München
So., 17. Januar, 20 Uhr
"Substanz", Ruppertstraße 28, München (U Poccistraße)
Eintritt 2 Euro

Kurzmeldungen aus der Szene

Chefjurorenwechsel ZEIT DEBATTE Stuttgart: Micha­el Sa­li­ba, Prä­si­dent des De­bat­tier­club Stutt­gart (DCS), hat mit­ge­teilt, dass Da­ni­el Som­mer (DC Hei­del­berg) bei der ZEIT DE­BAT­TE in Stutt­gart (22.-24. Ja­nu­ar) chef­ju­rie­ren wird. Er er­setzt den ur­sprüng­lich an­ge­kün­dig­ten Da­ni­el Grotz­ky (DC Mün­chen), der aus be­ruf­li­chen Grün­den nicht nach Stutt­gart kom­men kann. Neben Da­ni­el Som­mer wer­den Isa­bel­le Loewe (DC Bonn), Mar­cus Ewald (DCJG Mainz) und An­dre­as Lazar (DCS) als Chef­ju­ro­ren fun­gie­ren. Der Zeitplan der ZEIT DEBATTE Stuttgart ist mitt­ler­wei­le auf der Seite des DCS on­line.

IDAS-Seminare auf Video veröffentlicht: Wie strukturiere ich meine Rede und meine Argumente? Wie finde ich eigentlich als Schließende Fraktion eine "Extension"? Was kann ich tun, wenn ich keine Ahnung vom Thema der Debatte habe? Solche und viele andere Themen wurden von namhaften Debattierern und Debattiererinnen aus aller Welt bei der siebten International Debate Academy Slovenia im November 2009 besprochen. Wer nicht dabei sein konnte, hat jetzt die Möglichkeit, die ein oder andere Lektion im Heimstudium nachzuholen: Alfred Snider hat im Debate Video Blog Videomitschnitte von Seminaren und Debatten der IDAS 2009 veröffentlicht. Hier ein Überblick und Links:

Seminare:
Gavin Illsley und Jens Fischer (Berlin Debating Union): Understanding Adjudicators as a Debater
Isabelle Loewe (DC Bonn): Humanitarian Intervention

Debatten:

Montag, 11. Januar 2010

Bremer Studenten gewinnen Berliner Punk-Turnier

Lars Brückner und Manuel Adams haben im Team "Hanse Debating Bremen" das Punk-Turnier der Berlin Debating Union (BDU) gewonnen. Lars war bisher für den DC Verbalattacke Süd Konstanz, Manuel für die BDU, den DC Münster, den DC Bochum und den DC St. Gallen aktiv.

Bei dem zweitägigen Turnier im Debattierformat BPS waren 44 Teams angetreten, davon 14 BDU-clubeigene Teams, einige gemischte Teams mit einem Berliner und einem Gast und mehr als 25 auswärtige Zweiterteams. Das Turnier richtete sich speziell an Debattieranfänger, besonders erwünscht waren gemischte Teams von einem erfahrenen Redner und einem Anfänger.

Die vier Vorrunden wurden zu folgenden Themen ausgetragen:
Dieses Haus fordert eine Akademikersteuer für ehemalige Studenten.
Dieses Haus würde mit Al-Quaida verhandeln.
Dieses Haus schafft den Zölibat ab.
Dieses Haus fordert einen Strafzoll auf Produkte aus nichtdemokratischen Staaten.

Nach den Vorrunden hatten sich für die Halbfinals qualifiziert:
1. Mainz Pferdeflüsterer (Andrea Gau, Carsten Knittler, DCJG Mainz)
2. Mainz Bennie und Ert (Konrad Grießiger, Sarah Kempf, DCJG)
3.Pdm Babelsberg (Kristin Walter, Michael Richter, DC Potsdam)
4.Berlin Kreuzberg (Linda Tschiche, Annette Kirste, BDU)
5. Streitpunkt Leipzig (Wiebke Nadler, Jan Schlemmer)
6 Melius Tacuisset (Simeon Reusch, Klartext Halle und Tobias Fankhänel, DS Paderborn)
7. Hanse Debating Bremen (Manuel Adams, Lars Brückner)
8. Pdm Metropolis (Florian Umscheid, Markus Heilig, DC Potsdam)

Die Rednerranglsite wurde nach den Vorrunden von Andrea Gau (DCJG, früher BDU) angeführt.

Im Halbfinale wurde zum Thema "Dieses Haus würde kinderreiche Eltern auszeichnen" gestritten. Leipzig trat als Eröffnende Regierung gemeinsam mit den Pferdeflüsterern in der Schließenden Regierung gegen Metropolis in der Eröffnenden und Kreuzberg in der Schließenden Opposition an. Durchsetzen konnten sich hier Metropolis und Pferdeflüsterer.

Im anderen Halbfinale traten Bernie und Ert in der Eröffnenden Regierung gemeinsam mit Bremen in der Schließenden Regierung gegen Babelsberg in der Eröffnenden Oppositon und Melius Tacuisset in der Schließenden Opposition an. Ins Finale breakten aus diesem Raum Babelsberg und Bremen.

Die Halbfinals wurden juriert von den Chefjuroren Torsten Rössing (Klartext Halle), Marcel Giersdorf (DCJG) und Bastian Laubner (BDU) sowie Sylvia Krichbaum (Wortkombinat Ilmenau), Miriam Hauft, Jonas Werner (beide DC Magdeburg), Michael Saliba (DC Stuttgart), Daniiel Pakhomenko (DCJG Mainz) und Patrick Ehmann (BDU).

Das Finale wurde zum Thema "Dieses Haus würde es Reedereien erlauben zur Piratenabwehr schweres ballistisches Geschütz zu installieren" wurde die Eröffnende Regierung von Potsdam Metropolis vertreten, die Schließende Regierung von Potsdam Babelsberg. Die Eröffnende Opposition wurde von Hanse Debating Bremen, die Schließende Opposition von Mainz Pferdeflüsterer eingenommen.

Die Finaljuroren - Sylvia Krichbaum, Jonas Werner und Michael Saliba gemeinsam mit den Chefjuroren - erklärten schließlich das Team Hanse Debating Bremen zu Siegern des ersten Punk-Turniers des Jahres 2010.

Dass das erste Punk-Turnier 2010 nicht das letzte sein soll, kündigten Vertreter der Debattierclubs Magdeburg und Potsdam an. So plant Mathias Hamann vom Potsdamer Club ein Punk-Turnier Ende April in Brandenburg. In Magdeburg soll voraussichtlich über das Pfingstwochenende ein solches Turnier stattfinden.

Samstag, 9. Januar 2010

Jan Kastell und Philipp Stiel gewinnen Berliner Neujahrsturnier

Das Team "Kassel gewinnt" hat seinem Namen alle Ehre gemacht und das erste Neujahrsturnier der Berlin Debating Union (BDU) am 8. Januar in Berlin gewonnen. Philipp Stiel von der Streitkultur Tübingen und Jan Kastell vom Debattierclub Marburg - die gemeinsam in Kassel zur Schule gingen - setzten sich am Freitagabend vor 140 Zuschauern im Finale aus der schließenden Regierung heraus durch. Ihre Gegner im Finale des Einladungsturniers waren "Mainz Anton" (Jan Papsch und Marcel Giersdorf vom DCJG Mainz) in der eröffnenden Regierung, "Jedeburg" (Severin Weingarten von der DG Jena und Hauke Blume vom DC Magdeburg) in der eröffnenden Opposition und "Berlin Klarahöh" (Patrick Ehmann und Bastian Laubner von der BDU) in der schließenden Opposition. Das Finale zum Thema "Dieses Haus glaubt lebenslang Verurteilte sollten alternativ die Todesstrafe wählen dürfen" wurde juriert von Chefjuror Daniel Hinkeldein (BDU, der zweite eingeplante Chefjuror musste leider kurzfristig absagen) gemeinsam mit Hannes Budelmann, Hien Do Thi Tam (beide BDU), Eike Hosemann (DC Freiburg) und Gudrun Lux (DC Bonn).

Zuvor hatten sich die vier Finalteams an die Tabspitze des Turniers mit insgesamt sechzehn eingeladenen Teams (darunter vier Teams des Gastgeberclubs) gesetzt. Die Themen der Vorrunden waren:
Dieses Haus unterrichtet Evolution und Schöpfung gleichwertig im Biologieunterricht.
Dieses Haus kontrolliert Unverdächtige am Flughafen nicht mehr.
Dieses Haus fordert zwingende Erkennungstätowierungen für HIV-Positive.
Dieses Haus würde die Stimme eines Wählers umgekehrt proportional zu seinem Vermögen gewichten.

Am Samstag und Sonntag wird in Berlin ein sogenanntes Punk-Turnier ausgetragen. Viele der Teilnehmer waren bereits zum Finale des Einladungsturniers angereist und fiebern jetzt ihren eigenen Reden entgegen. Bleibt live dabei und folgt dem Achte-Minute-Gezwitscher auf dem Achte-Minute-Twitter-Account (Hashtag #Bpunk) und rechts oben im Magazin.

Sonntag, 3. Januar 2010

WUDC: Gewinner stehen fest: Weltmeister kommen aus Sydney, Tel Aviv und Moskau / Sehr gutes Abschneiden der VDCH-Teams

Vor einigen Minuten sind die 30. World Universities Debating Championships mit der Bekanntgabe der Weltmeister beschlossen wurden. Sydney A, Tel Aviv und Moskau konnten nach neun Vorrunden und bis zu vier K.O.-Runden jeweils den Titel erringen:
  • Main Break (Muttersprachler): Sydney A
  • ESL (English as a Second Language): Tel Aviv
  • EFL (English as a Foreign Language): Moscow State Institute of International Relations
Allen Gewinnern einen herzlichen Glückwunsch!

Im Grand Final des Worlds 2010 standen sich die eröffnende Regierung aus Harvard A, die eröffnende Opposition der London School of Economics (LSE) A, die schließende Regierung des besten Teams nach den Vorrunden aus Oxford A und die schließende Opposition aus Sydney A gegenüber. Das Thema des Finals lautete: "This House believes that the media should show the full horror of war". Nach intensiver Jurierung kamen die Finaljuroren Suthen Tate Thomas (MMU, Chair), Christopher Bishop (Victoria Wellington), Sharmila Parmanand (Ateneo de Manila), Doug Cochran (Cambridge), Kirsty Russell (Independent), Jo Nairn (Hart House), Michael Baer, Ross Reid McGuire (UCD Law) und Logan Balavijendran (MMU) zur Auffassung, dass Sydney gewonnen hat und Oxford damit den Hattrick, sowohl im dritten Jahr Europa- wie auch Weltmeister gleichzeitig zu sein, nach zwei Jahren nun im dritten nicht schafft. Die TOP-Ten Redner Liste hat Colm Flynn auf seinem Blog veröffentlicht.

Das ESL-Finale, das heute Nachmittag kurz vor dem Grand Final durchgeführt wurde, standen sich Teams aus Tel Aviv, IIU Malaysia, Haifa und Leiden zum Thema "This House would prohibit expression that portrays convicted war criminals in a positive light" gegenüber. Die Juroren, unter ihnen Jens Fischer (BDU) sahen Tel Aviv mit Yoni Cohen-Idov und Uri Merhav vorn und damit als neuen ESL-Weltmeister!

In einem spannenden EFL-Finale, das bereits gestern durchgeführt wurde, trafen sich zum Thema "This House believes that democratic states should own their own broadcasting corporations" die Teams Zagreb Law A in der eröffnenden Regierung, Stuttgart B mit Andreas Lazar und Igor Gilitschenski in der eröffnenden Opposition, Zagreb A in der schließenden Regierung und Moscow State Institute of International Relations in der schließenden Opposition. Spannende Wortgefechte lieferten sich die Teams bis am Ende Moskau den Titel EFL-Weltmeister mit nach Hause nimmt!


Unter den 1200 Debattierern und Juroren waren auch Teams aus VDCH-Land angetreten waren Teams. Greifswald, Halle, München, Potsdam, St. Gallen, Stuttgart und Wien lagen nach den Vorrunden gut platziert. Sarah Jaglitz und Rafael Heinisch standen für den Debattierclub Greifswald im Halbfinale der Weltmeisterschaft im Hochschuldebattieren. Dort mussten sich zum Thema "This House would allow prisoners to raise their babies behind bars" dem späteren ESL-Gewinner aus Tel Aviv geschlagen geben. Auch Markus Dankerl und Wladislaw Jachtchenko vom Debattierclub München hatten sich den Einzug in die ESL-K.O.-Runden, bei ihnen das Viertelfinale, erstritten. Die beiden Münchener mussten sich aus der eröffnenden Opposition den beiden niederländischen Teams Amsterdam Bonaparte A in der eröffnenden Regierung und Leiden A als schließende Regierung geschlagen geben. Andreas Lazar und Igor Gilitschenski vom Debattierclub Stuttgart konnten aus dem EFL-Halbfinale zum Thema "This House would use faith-based rehabilitation in prisons" erfolgreich ins EFL-Finale einziehen.

Auch auf der Jurorenbank konnte VDCH-Land glänzen. Neben den zahlreichen Juroren der einzelnen VDCH-Teams waren als so genannte "independent judges" auch Assen Kochev (TH Köln), Daniel Grotzky (DC München), Dirk Harlacher (TH Köln), Isabelle Loewe (DC Bonn) und der amtierende EUDC-Präsident Jens Fischer (BDU Berlin) im Jurorenpool vertreten.
Isabelle Loewe und Jens Fischer breakten als Juroren in die K.O.-Runden und jurierten die Viertel- und Halbfinale. Zudem jurierte Jens Fischer das ESL-Finale! Beiden hierzu herzlichen Glückwunsch!

Im Zuge der Weltmeisterschaften 2010 in Antalya tagte auch der WUDC-Council, das Exekutivorgan der Worlds, und wählte einen neuen Council President. Im nächsten Jahr wird Sam Greenland (England / Hong Kong / Australien) dem Council vorsitzen. Ebenso vergab der Council die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 2011/2012 an Manila (De La Salle University), die sich mit 72 zu 28 Stimmen gegen den anderen Bewerber, Toronto, deutlich durchsetzte. Im nächsten Jahr werden die Weltmeisterschaften 2010/2011 im Hochschuldebattieren an der University of Botswana stattfinden.

Mit einem Championship Gala Dinner gehen heute Abend die 30. Weltmeisterschaften im Hochschuldebattieren in Antalya zu Ende. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr und gratulieren allen Gewinnern und VDCH-Teams zu ihren großartigen Leistungen!

Samstag, 2. Januar 2010

WUDC: Greifswald breakt ins ESL-Halbfinale der Weltmeisterschaft!

Sarah Jaglitz und Rafael Heinisch, Gewinner des Central Paris IV, stehen für den Debattierclub Greifswald im Halbfinale der Weltmeisterschaft im Hochschuldebattieren! Sie waren im ESL-Viertelfinale (die gesamte Setzung der Viertelfinals findet sich auf der World Debating Website) zum Thema "This House would ban any scheme intended to 'cure' homosexuality" als Eröffnende Opposition gemeinsam mit Chulalongkorn A (Schließende Opposition) gegen Ljubljana C (Eröffnende Regierung) und Haifa A (Schließende Regierung) angetreten. Haifa und Greifswald konnten die Debatte für sich entscheiden und werden das ESL-Halbfinale bestreiten. Herzlichen Glückwunsch!

Rafael und Sarah, hier ein Foto vom Central Paris IV (Quelle), stehen im ESL-Halbfinale.

Auch Markus Dankerl und Wladislaw Jachtchenko vom Debattierclub München hatten sich den Einzug ins ESL-Viertelfinale erstritten. Auch die Münchener traten als Eröffnende Oppositon an, außerdem waren im Raum: Amsterdam Bonaparte A (Eröffnende Regierung), Leiden A (Schließende Regierung) und Belgrad A (Schließende Opposition). Die beiden niederländischen Teams konnten die Debatte für sich entscheiden. Schade, dass München nicht mehr dabei ist - die gesamte deutschsprachige Delegation auf den Worlds wird nun Greifswald anfeuern.

In den anderen beiden Viertelfinalräumen konnten sich IIU Malaysia und ein weiteres niederländisches Team, Erasmus A gegen Ljubljana A und Galatasaray A sowie Tel Aviv A und Lahore LUMS A gegen Athen A und Lahore LUMS C durchsetzen. Allen Halbfinalteams herzliche Glückwünsche!

Unterdessen wurden auch die Achtel- und Viertelfinals im Main Break ausgetragen. Das Achtelfinalthema lautete "This House believes that the west should recognize the Dalai Lama". Es breakten Oxford A, Queensland A, Sydney D, Monash A, LSE A, Stanford A, Sydney C, Princeton C, Sydney A, McGill A, ANU A, Cambridge A, Harvard A, Hart House A, Monash A und Queensland D. (Das meldet Colm Flynn auf der World Debating Website unter Berufung auf diverse Twitternachrichten.) Das Viertelfinale wird zum Thema "This House would ban all procedures to alter ones racial appearance" ausgetragen.

Ein VDCH-Team hat heute bereits im EFL-Halbfinale zum Thema "This House would use faith-based rehabilitation in prisons" debattiert. Andreas Lazar und Igor Gilitschenski vom Debattierclub Stuttgart hielten dort die VDCH-Fahne hoch. Das Ergebnis ist noch nicht verkündet.

Update 16.30 Uhr: Stuttgart steht im EFL-Halbfinale! Gkückwunsch!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

WUDC: Teil 2 der Vorrunden gestartet / Vorschlag: Lasst mehr Teams breaken! / Zwischenergebnisse VDCH-Teams / Masters‘ Rounds

Noch vor neun Uhr morgens wurde das Thema der vierten Vorrunde verkündet (This House would prohibit high-ranking members of the Sri-Lankan militry and the Tamil Tigers from participating in elections) – wie die Organisatoren es schaffen, dass 1.200 Teilnehmer pünktlich sind, erzählt Manuel Adams der Achten Minute: „Es ist natürlich knifflig, 1.200 Menschen dazu zu bringen, pünktlich zu den Debatten zu erscheinen - zumal der Alkohol kostenlos ist. Daher die Regel: Ist einer nicht da und kann ihn seine Institution nicht erreichen, darf die gesamte Institution nicht breaken." Die 100 (in Worten: hundert) gleichzeitigen Debatten werden übrigens in umfunktionierten Hotelzimmern abgehalten. Die Betten wurden dort kurzerhand in die jeweiligen Badezimmer gestellt und, wie Manuel schreibt: „durch das bekannte Debatten-Setting ersetzt."

Unterdessen hat der Alt-Weltmeister Andy Hume gefordert, mehr Teams auf den Worlds breaken zu lassen (mindestens 64 statt 32 im Main Break), also Sechzehntelfinalrunden einzuführen. Dies sei angesichts dessen, dass der Weltmeistertitel unter viel mehr Teams als früher ausgemacht werde, sinnvoll. Außerdem erhöhe man so die Chancen für ESL-Teams im Main Break in die Finalrunden einzuziehen, Juroren würden Top-Teams weniger vorsichtig jurieren (da eine einzige schlechte Bepunktung diese nicht quasi automatisch den Break kosten könnte). Andy Hume führt noch einige weitere Argumente an, die auf der World Debating Website, auf der der Vorschlag veröffentlicht wurde, bereits heiß diskutiert werden. Surft vorbei und beteiligt Euch an der Debatte!

Nach den ersten drei Vorrunden erreichten uns dank Michael Saliba vom Debattierclub Stuttgart folgende Zwischenstände von VDCH-Team: Das Team des Debattierclub München hatte nach drei Vorrunden fünf von neun möglichen Punkten, das Team des Debattierclub Potsdam hatte vier, die Teams Stuttgart A und Stuttgart B ebenso wie die Team von Klartext Halle und dem DebatingClub St. Gallen jeweils drei Punkte. Vom Debattierklub Wien und vom Debattierclub Greifswald haben wir leider noch keine Punktestände.

Alfred Snider berichtet auf dem Global Debate Blog über den 28. Dezember, an dem die Schulungen und die Masters' Rounds stattfanden. (Videos der WUDC-Jurorenschulung stehen mittlerweile online zur Verfügung.) Manuel Adams erklärt die Masters' so: "Masters ist wie Eisenach - nur dass manch ein Teilnehmer noch deutlich älter ist. Diese Teilnehmer sind dann als Coaches und/oder Juroren hier und sorgen (mit) für eine (soweit St. Gallen das bislang beurteilen kann) hervorragende Jurierqualität. Überhaupt versprach Chejuror Can Okar, dass auch das A-Team mehr als sonst üblich durch alle Räume rotieren werde." - Darüber konnte sich ein Stuttgarter Team bereits freuen.

Der Debattierclub Stuttgart schildert den ersten Vorrundentag aus Stuttgarter Sicht: "Unser Tag begann mit Sonne über dem Meer und einem leckeren Frühstück. Danach ging es in Versammlungssaal A, um unsere Debattierräume und das Thema der ersten Vorrunde der 30. World Universities Debating Championship zu erfahren. [...] Andreas [Lazar] und Igor [Gilitschenski] traten aus der Eröffnenden Opposition gegen drei muttersprachliche Teams aus Cardiff, Alberta und Nottingham an. Wir schlugen uns tapfer und wurden Dritte, wobei wir uns den Trick der Schließenden Opposition merken wollen, unser Rebuttal zu stehlen und wieder zu halten (nur besser). Michael [Saliba] und Nils [Haneklaus] waren etwas stärker und wurden Zweite. [...] [In der zweiten Vorrunde wurde] Stuttgart B [...] etwas unverständlich Vierter, Stuttgart A knapp Dritter. In der letzten Vorrunde des Tages [wurden] Nils und Michael Vierte und Igor und Andreas gegen zwei chinesische und ein kanadisches Team Zweite [...]. Dabei wurden wir von einem der Chefjuroren bewertet, in Erfüllung des Versprechens des Jurorenteams, dass nicht nur die besten Debattierer in den stärksten Räumen, sondern alle Redner in den Genuß der besten Jurierung kommen sollen. Eine weitere schöne Innovation dieses bisher hervorragend organisierten und ausnehmend freundlich betreuten Turniers, die Lust auf mehr macht."

Voraussichtlich heute abend gibt es einen neuen Artikel im Achte-Minute-Magazin, einstweilen halten wir Euch via Twitter auf dem Laufenden (direkt bei Twitter oder recht oben im Magazin).

Dienstag, 29. Dezember 2009

WUDC: Die ersten drei Vorrunden in Antalya / Pre-Council / Stimmen der Anderen

Heute standen bei der 30. World Universities Debating Championship im türkischen Antalya die ersten drei Vorrunden an.

Die Themen der ersten drei Runden waren:

1. Vorrunde: This House would ban labour unions.
2. Vorrunde: This House believes developing nations should pay for the full tuition of female university students.
3. Vorrunde: This House would financially incentivize both inter-faith and inter-ethnic marriages.In jeder Vorrunde können die Teams maximal drei Siegpunkte sammeln, außerdem gibt es auch Einzelrednerpunkte, die als Zweitkriterium breakentscheidend sind. In jedem Raum werden vier Teamrangplätze vergeben, das Siegerteam erhält drei, das zweitplatzierte Team zwei, das vorletzte Team einen und das letzte Team keinen Siegpunkt. Debattierer aus Cambridge zitieren Mutmaßungen, denen zufolge ein Team mindestens 18 Siegpunkte und viele Rednerpunkte haben müsse, um eine Chance zu haben, in die Finalrunden einzuziehen. Gebreakt wird in den drei Kategorien "Main Break" - hier bestehen im Regelfall nur Muttersprachler -, "ESL" (English as a Secound Language) und "EFL" (English as a Foreign Language).

Gestern traf sich bereits das WUDC-Council (auf der Internetseite der Koc World kann die Constitution of World Universities Debating Council nachgelesen werden). Der ehemalige VDCH-Präsident Daniel Grotzky vertritt Deutschland beim Council, Viola Lutz vom DC St. Gallen vertritt die Schweiz und Sabine Rainalter vom DC Innsbruck (die als Jurorin ein Team des DK Wien begleitet) vertritt Österreich. Daniel Grotzky berichtet: "Wir hatten gestern Pre-Council ohne große Inhalte. In der EUDC-Sitzung gestern wurden auch keine Entscheide gefällt, es ging hauptsächlich um das Anmeldesystem für Amsterdam. [Dort wird im Sommer die Europameisterschaft 2010 ausgetragen.] Es gibt auch einen Entwurf für eine neue ESL-EFL-Einteilung die meines Erachtens für die deutschen Redner aber wenig Neuerungen bringt und vor allem versucht, den Interview-Prozess (hier bei Worlds über 200 Interviews zum Status) zu minimieren."

Übrigens: Mark Eastham von der Londoner SOAS Debating Society hat einen Blog mit dem klangvollen Namen Hope to break gestartet und berichtet dort über die SOAS-Ergebnisse auf den Worlds und Mathias Hamann vom Debattierclub Wortgefechte Potsdam wundert sich im Wortgefechte-Blog darüber, dass er keinen Debattiercoach hat.

Andreas C. Lazar
vom Debattierclub Stuttgart berichtet im DCS-Blog vom frühen Zubettgehen und der Spracheinstufung. Andreas schreibt: "Dieses Jahr gibt es über 150 ESL- und EFL-Teams, doppelt so viele wie auf der letzten Weltmeisterschaft in Cork. Darum hielten wir [am Montag] nach dem reichhaltigen Frühstück, dem ebenso reichhaltigen Mittagessen, einem gnädigerweise kurzen Eröffnungsmeeting und einem Nickerchen bzw. einem Bad im Meer, aber vor dem Galadiner eine kleine Übungsdebatte dazu ab, ob Ehrenmorde härter bestraft werden sollen, um uns zu entrosten und [am Dienstag] fliegend zu starten."

Heute Abend findet die "Global Village"-Party statt. Das University of Alaska Seawolf Debate Team schreibt in seinem Blog, es seien 43 Nationen auf der Weltmeisterschaft vertreten.

Samstag, 26. Dezember 2009

Kurzmeldungen aus der Szene

Anmeldung Newcastle IV 2010: Am 30. Januar wird das englischsprachige Newcastle IV im Debattierformat BPS ausgetragen, Chefjuror ist Oskar Avery. Es werden vier Vorrunden mit Fünfminutenreden debattiert, der Break geht direkt ins Finale (Siebenminutenreden). Die Anmeldung ist eröffnet und für VDCH-Teams ist die Teilnahme kostenfrei! Anmeldung via Mail an James O'Sullivan unter der E-Mail-Adresse debates.union[at]ncl.ac.uk, dort können auch nähere Informationen erfragt werden. Einfache Schlafplätze ("Crash") können für Freitag- und Samstagnacht zur Verfügung gestellt werden. Auch hierfür bitte an James wenden!

Debattierurgesteine bei Showdebatte: Robert Hagedorn von der Debatte Karlsruhe berichtet auf der Internetseite des Vereins über eine Showdebatte Anfang Dezember. Dabei traten zum Thema "Manager ans Pult - Brauchen wir eine praxisorientiertere Ausrichtung der Universitätsausbildung?" drei Redner/innen des Karlsruher Clubs gegen drei Vertreter/innen einer Unternehmensberatung an. Für die Unternehmensberatung starteten unter anderem Simon Herrmann, Deutscher Debattiermeister 2003 und Deutscher Vizemeister 2004, 2005 und 2006, und Mark Bielitza, ehemaliges Vorstandsmitglied der Debatte Karlsruhe. Im Bericht heißt es:

"Vor circa 200 erwartungsvollen Zuschauern [kam es] zum Showdown zwischen drei Rednern der Debatte Karlsruhe und drei Beratern von McKinsey. [...] Den Antrag [...] präsentierte der debattiererfahrene Simon Herrmann [...]. Er forderte, dass in Zukunft 25 Prozent der Vorlesungen von Professoren gehalten werden sollen, die mindestens fünf Jahre Praxiserfahrung nachweisen können. Peter Krauthausen widerlegte anschließend als Eröffner der Opposition gekonnt die Argumente seines Vorredners und wies besonders auf die Vorzüge des humboldtschen Bildungsideals hin. Als Ergänzerin der Regierung erfreute Debattierneuling Ulrike Abelein das Publikum mit frischen Argumenten. Direkt im Anschluss an Ulrike konnte Dominik Riemer auf mitreißende und humorvolle Art das Publikum wieder auf die Seite der Opposition ziehen[...]. Besonders überzeugend waren die zahlreichen Praxisbeispiele, in denen deutsche Manager keine besonders lehrhafte Figur abgaben. Als Schlussredner der Regierung fasste Mark Bielitza [...] die Debatte für das Publikum noch einmal anschaulich zusammen. Für die Seite der Opposition zeigte Nico Rödder dem Publikum auf eine sehr emotionale und begeisternde Weise die überzeugendsten Contra-Argumente auf. Für die gemeinsame Showdebatte ernteten die Redner den wohl verdienten Applaus eines gut unterhaltenen Publikums. Dieses folgte im Anschluss in das ein Stockwerk tiefer liegende Foyer des Tulla-Hörsaals. Dort konnten die interessierten Zuschauer ihre Fragen bei Bier und Brezeln in lockerer Atmosphäre sowohl an die Berater [...] als auch an die Mitglieder der Debatte Karlsruhe e.V. stellen."

Nikolaus-Cup in Karlsruhe: Die Debatte Karlsruhe berichtet auf ihrer Internetseite auch über den vereinsinternen Nikolaus-Cup, der im Rahmen der Clubweihnachtsfeier ausgetragen wurde. Es gab zwei Debatten einer Vorrunde und dann ein Finale.

Rückblick und Ausblick: Der Debattierclub Wortgefechte Potsdam bilanziert, 2009 sei für den Verein das Jahr des "größer, weiter, schneller" gewesen und freut sich in einem Blogpost unter anderem auf das Dreikopfteamturnier in London und all das andere, was das neue Jahr so bringen wird.

Ruhe statt Streit: Die Debating Society Paderborn verabschiedet sich in eine dreiwöchige Debattierpause mit den weisen Worten: "Once in a year, there is a moment when silence is even greater than the greatest debate."

Montag, 21. Dezember 2009

Debattenduell im Rathaus Marburg: "Immer mehr Wissen in weniger Zeit - wir fordern Gehirndoping!"

Professoren versus Studenten hieß es am Mittwoch, 16. Dezember, im historischen Rathaussaal in Marburg. Im überfüllten Saal, in dem ehemals die Stadtparlamentarier stritten, führten drei Debattanten aus dem Debattierclub Hartshornes House Marburg eine hitzige Debatte gegen drei Professoren.

Nach einer Ansprache von Clubpräsident Martin Fries über die Möglichkeiten der Universität, auch einmal etwas zu unternehmen, das über den Tellerrand des Studienfachs hinaus führt, und einem Grußwort des Marburger Oberbürgermeisters Egon Vaupel leitete das Moderatorenteam Stephanie Riehm und Tobias Burkhardt über zur Themenwahl. Das Publikum entschied sich gegen das Thema "Deutschland - Ausbilder der Spitzenforscher für die Welt? Die UN sollte die Wissensabwanderung in andere Länder reglementieren und so den 'Brain-Drain' stoppen!" und für "Immer mehr Wissen in weniger Zeit - wir fordern Gehirndoping! Konzentrationsfördernde Medikamente wie Ritalin sollten rezeptfrei erhältlich werden!"

Das Thema wurde hitzig und emotional-geladen debattiert. Der Regierung aus den Clubmitgliedern Karen Bayer, Sebastian Wamser und Jan Kastell wurde trotz durchdachten Thesen das Argumentieren durch gezielte Zwischenfragen und geniale Ideen von Seiten der Professoren Uwe Wagner, Jan Koolman und Wolfgang Seitter schwer gemacht. Am Ende entschied sich das Publikum für das Oppositionsteam, also für die Professoren, die sich über eine große Torte als Siegpreis freuen konnten.



Die Professoren Uwe Wagner, Jan Koolman und Wolfgang Seitter in Action.

Im Anschluss an die Debatte konnte der gelungene Abend bei Sekt, Salzstangen und Torte feierlich ausklingen. Unterstützt wurde die Showdebatte nicht nur von den Professoren, sondern auch von der Stadt Marburg, der Wochenzeitung Die ZEIT, dem Café Vetter, der Universitätsbuchhandlung Elwert und Copy&Shirt.


Martin Fries während der Moderation.

Text: Martin Fries, Debattierclub Marburg

Debattierclub Stuttgart debattierte in besetztem Hörsaal über den Bolognaprozess

Seit über drei Wochen besetzen Studenten im Rahmen des Bildungsstreiks den Haupthörsaal der Universität Stuttgart, um Ihren Forderungen, unter anderem nach einer Reform des Bolognaprozesses, Nachdruck zu verleihen. Auf Einladung der protestierenden Studenten veranstaltete der Debattierclub Stuttgart (DCS) am 10. Dezember im besetzen Hörsaal eine öffentliche Debatte zum Thema "Wir brauchen Luft zum Atmen. Schafft den Bachelor/Master ab".

In einer verkürzten OPD-Debatte forderten Andreas Lazar, Isabel Spieth und Nils Haneklaus als Regierung die unmodifizierte Rückkehr zum System der Diplom- und Magisterstudiengänge aus der Zeit vor dem Bologna-Prozess. Die Freiheiten der alten Ordnung ermöglichten eine abgeschlossenere Persönlichkeitsentwicklung und individuellere Gestaltung des Ausbildungsinhalts.

Demgegenüber verteidigten Arne Spieker, Steffen Eberle und Daniel Markus als Opposition die Vorteile von Bachelor- und Master-Studiengängen, insbesondere in Form der größeren Durchlässigkeit auf europäischer Ebene. Statt eines Schritts zurück in die Vergangenheit solle der Blick nach vorne gerichtet sein, um etwaige Probleme bei der Einführung abzustellen.

Durch die Debatte wurden in kompakter Form die Nachteile aber auch die Vorteile des Bolognaprozesses klar dargestellt und somit der positive Diskurs in den besetzen Hörsaal getragen. Diverse Zuschauer verfolgten neben den besetzenden Studenten die Debatte.

Text: Florian Wilken, Debattierclub Stuttgart (Quelle)

Sonntag, 20. Dezember 2009

DCGF-Clubmeisterschaft in Frankfurt

Der Debattierclub Goethes Faust Frankfurt/Main (DCGF) hat elf Monate nach seiner Gründung erstmals eine interne Clubmeisterschaft veranstaltet. Am Freitag, 18. Dezember, fanden sich sechzehn Debattierfreunde auf dem Frankfurter Campus Westend ein, um sich rednerisch miteinander zu messen.

Der DCGF hatte als Format des Wettstreits das Masters-Format gewählt, das ein DCGF-Mitglied als Juror beim Masters Cup 2009 der Deutschen Debattiergesellschaft kennengelernt hatte. Bei dem Format treten Zweierteams gegeneinander an, die von Runde zu Runde per Zufallsentscheid neu zusammengesetzt werden.

Alle Teilnehmer/innen durften sowohl reden als auch jurieren. Nach sechs Vorrunden (von denen jede/r in vier Runden als Redner/in am Start war) breakten die vier punktbesten Frankfurter Redner/innen direkt ins Finale.

Die Vorrundenthemen waren:
1. Vorrunde: Brauchen wir eine Äpplerquote in Frankfurts Kneipen?
2. Vorrunde: Brauchen wir ein Ende der studentischen Mitbestimmung an den Universitäten?
3. Vorrunde: Sollen Spieltage der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika bundesweite Feiertage sein?
4. Vorrunde: Soll der Verkauf von Advents- und Weihnachtsartikeln außerhalb des Dezember verboten werden?
5. Vorrunde: Brauchen wir weniger Bundesländer?
6. Vorrunde: Sollen die Verbindungen zwischen Offenbach und Frankfurt abgebrochen werden?

Ins Finale breakten Willy Witthaut, Benjamin Jungkind, Marion Seiche und Anja Pfeffermann (zwei Gastredner, die theoretisch gebreakt hätten, debattierten das Turnier außer Konkurrenz; Johannes Meinert verzichtete auf seinen Finalplatz). Im Finale zum Thema "Soll Frankfurt am Main Deutschlands Hauptstadt werden?" standen Benni und Marion als Regierung Anja und Willy als Opposition gegenüber.

Nach einer kurzweiligen Debatte wurde unter großem Applaus der Turniersieger gekürt: Willy Witthaut staubte alle möglichen Titel ab. Er wurde als bester Einzelredner des Gesamtturniers ("Top of the Tab") und bester Finalredner ausgezeichnet und gewann gemeinsam mit seiner Teampartnerin Anja Pfeffermann den Team-Titel. Selbstredend wurde anschließen bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Montag, 14. Dezember 2009

2 in 1: Streitkultur-Cup und Baden-Württembergische Meisterschaft - Ein debattenreiches Wochenende in Tübingen!

Ein Turnier, zwei renommierte Titel: Am Wochenende um den dritten Advent wurden in Tübingen der Streitkultur-Cup und die Baden-Württembergische Meisterschaft ausgetragen. Am Samstagabend jubelten "Die Motten und das Licht": Nach drei Vorrunden und direktem Break ins Finale besiegte das Team aus Hamburg und Bonn dort die gegnerische Mannschaft aus der Schweiz und ist Streitkultur-Cup-Gewinner 2009! Am Sonntag freute sich Heidelberg über einen Sieg über Stuttgart: Der Titel wandert vom Vorjahressieger Tübingen den Neckar hinauf, der Debating Club Heidelberg (DCH) ist Baden-Württembergischer Meister 2009!

In drei Vorrunden am Samstag debattierten 21 Teams aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, die beim ältesten Debattierclub Deutschlands, der Streitkultur Tübingen, zu Gast waren. Die Themen der Vorrunden lauteten: Soll das deutsche Wahlrecht exklusiv statt allgemein sein? Sollen christliche Kirchen das Missionieren einstellen? Brauchen wir Nummernschilder für Polizisten?

Das Turnier bot zwei Breaks: Für alle Teams war es möglich, nach den drei Vorrunden direkt ins Finale der offenen Clubmeisterschaft des Tübinger Vereins, des Streitkultur-Cup, zu breaken. Nur Teams aus Baden-Württemberg stand der Break ins Halbfinale der Baden-Württembergischen Meisterschaft offen. Die Streitkultur selbst verzichtete als Vorjahressieger und Ausrichter der BaWü-Meisterschaft auf die BaWü-Break-Möglichkeit und kämpfte mit ihren Teams ausschließlich um den Vereinstitel.

Nach den Vorrunden war die Spannung groß: Das sei der "härteste Break der Saison" war in der Raucherecke zu vernehmen. Angetreten waren unter anderem - in verschiedene Teams - drei ehemalige Deutsche Meister, fünf amtierende und mindestens zwei ehemalige Süd- und Westdeutsche Meister, einige Deutsche Vizemeister, ZEIT-DEBATTEN-Sieger, zwei Masters'-Cup-Sieger und ein ehemaliger ESL-Vizeeuropameister.

Als der Break verkündet wurde zeigte sich, dass sich die Teams mit den seltsamsten Namen durchgesetzt hatten: Auf Platz eins in der Teamrangliste waren "Samichlaus, Schmutzli und Grittibänz" aus der Schweiz: Die amtierenden Süddeutschen Meister Lukas Haffert und Viola Lutz vom Debating Club St. Gallen gemeinsam mit dem ESL-Europameister 2006 Daniel Grotzky (DC München, wohnt jetzt in Zürich). Auf Platz zwei in der Teamrangliste waren "Die Motten und das Licht": Der vierfachen ZEIT-DEBATTEN-Finalisten Benedikt Nufer vom Debattierclub Hamburg gemeinsam mit dem Westdeutschen Meister 2008 Tim Richter und der Deutschen Meisterin 2007 Gudrun Lux, beide vom Debattierclub Bonn.

Die Top Ten der Rednerrangliste nach den Vorrunden - mit wegen vieler Punktgleichheiten 14 Rednerinnen und Rednern:

1 Jan Papsch (DCJG Mainz) 156 Punkte
2 Tim Richter (DC Bonn) 150 Punkte
3 Lukas Haffert (DC St. Gallen) 149 Punkte
4 Gudrun Lux (DC Bonn) 148 Punkte
5 Marcus Ewald (DCJG Mainz) 147 Punkte
5 Viola Lutz (DC St. Gallen) 147 Punkte
5 Thore Wojke (DCJG Mainz) 147 Punkte
8 Nicolas Eberle (DCJG Mainz) 146 Punkte
8 Benedikt Nufer (DC Hamburg) 146 Punkte
10 Andrea Gau (DCJG Mainz) 143 Punkte
10 Jan Kastell (DC Marburg) 143 Punkte
10 Pauline Leopold (Streitkultur) 143 Punkte
10 Jan Lüken (Debating Club Heidelberg) 143 Punkte
10 Karsten Stölzgen (Streitkultur) 143 Punkte

Als besondere Auszeichnung vergab die Streitkultur einen Preis an den besten "Novizen" - einen Redner oder eine Rednerin, der oder die erstmals auf einem Turnier antritt. Die Auszeichnung ging an Nicolas Sölter vom Debating Club Heidelberg - der nicht nur erstmals auf einem Turnier war sondern überhaupt erst seit wenigen Wochen debattiert! Seine Karriere wird fortan mit Spannung verfolgt werden.

Als Finalthema des SK-Cups hatten der Chefjuror Peter Croonenbroeck von der Streitkultur und die Chefjurorin Sarah Kempf vom DCJG Mainz ein offenes Thema gewählt: "Müssen wir den deutschen Journalismus retten?" "Die Motten und das Licht" vertraten die Regierungsseite und forderten - analog zum Bankenrettungsfonds - einen staatlichen Rettungsfonds für Verlage: Die Durststrecke der deutschen Presse - durch den von der Wirtschaftskrise bedingten Anzeigenrückgang ausgelöst - müsse überbrückt werden, da nur so Vielfalt und Qualität der Presse werden könnten, die als "Vierte Gewalt" im Staate "systemrelevant" und lebenswichtig für die Demokratie sei. Die schweizerische Opposition setzte entgegen, die Medien seien selbstverschuldet in der Krise, da sie sich nicht genügend auf die Neuen Medien und die neuen Zeiten eingestellt hätten. Zudem befürchtete die Opposition eine zu große staatliche Einflussnahme, die die Unabhängigkeit der Presse gefährde. Die Fraktionsfreien Redner Jan Papsch, Thore Wojke und Marcus Ewald, alle vom DCJG Mainz, verteilten sich in ihren Reden gerecht auf alle Seiten: Während Jan den Rettungsfonds ganz wunderbar fand, erklärte Thore, da er keinen Kamin habe brauche er überhaupt keine Zeitungen und daher auch keinen Rettungsfonds für selbige. Marcus entschied sich für die Generalopposition, die von beiden Fraktionen hingenommen aber nicht erwidert wurde.

Juriert wurde das SK-Cup-Finale von Peter Croonenbroeck und Sarah Kempf gemeinsam mit Markus Herrmann von der Streitkultur, Andreas Neiser vom DCJG und Florian Prischl vom Debattierklub Wien, Präsidentin war Mariama Fofana (DCJG). Peter verkündete schließlich am beeindruckenden Finalort, der Alten Anatomie in Tübingen, den Sieger des Streitkultur-Cups: "Die Motten und das Licht" haben das Finale und damit das Turnier gewonnen! Gemeinsam mit Benedikt Nufer haben Tim Richter und Gudrun Lux damit den Titel verteidigt, den die beiden Bonner gemeinsam mit Karsten Stölzgen (Streitkultur) bereits im Vorjahr gewonnen hatten. Als punktbester Redner des Finals wurde von der Jury Lukas Haffert ausgezeichnet.

In der Wohnheimsbar von Peter Croonenbroecks studentischer Heimstätte wurde am Samstagabend Glühwein und Bier getrunken, getanzt und gefeiert. Eines wurde bei der Feier schnell klar: Wie seine Teampartner bereits im Vorjahr, so wird auch Benedikt Nufer als Streitkultur-Cup-Sieger dem gastgebenden Verein als Fördermitglied beitreten. Somit bleibt der SK-Cup in Streitkultur-Hand.

Am Sonntagmorgen stand das Halbfinale der Baden-Württembergischen Meisterschaft an. Einige, die bis in den Sonnenaufgang hinein gefeiert hatten, schafften es nicht rechtzeitig zum Halbfinale, so dass zwar alle Rednerinnen und Redner anwesend waren aber akuter Jurorennotstand herrschte. So griffen die Chefjuroren dafür kurzerhand auf den Rednerpool zu.

In die Halbfinals der Baden-Württembergischen Meisterschaft hatten nach den drei Vorrunden am Vortag zwei Teams des Debating Club Heidelberg ein Team des Debattierclub Stuttgart und das Team des Debattierclub Karlsruhe gebreakt. Tragisch: Die Heidelberger Teams traten im Halbfinale gegeneinander an. Zum Thema "Soll die elektronische Fußfessel eingeführt werden?" debattierten der Vorjahres-BaWü-Vizemeister und Süddeutscher Vizemeister 2008 Jan Lüken, die Süddeutsche Meisterin 2007 Louisa Meisel und Marcus Ewald, Deutscher Meister 2008 für Klartext Halle und seit kurzem aktives Mitglied des DCJG Mainz, auf der Regierungsbank gegen die drei Heidelberger Nachwuchstalente Jennifer Holm, Olena Ottinger und Nicolas Sölter. Durchsetzen konnte sich das "Alte-Hasen-Team" auf der Regierungsseite, das somit in das Finale einzog. Freie Redner waren in diesem Halbfinale Sarah John, Pauline Leopold und Felix Schönherr (alle Streitkultur). Als beste Rednerin im Raum, die nicht im Team breakte, zog Sarah John ins Finale ein, Pauline Leopold breakte über das Tab als Freie ins Finale.

Im zweiten Halbfinale traten die Stuttgarter Michael Saliba, Igor Gilitschenski und Kathrin Reinhold an gegen die Karlsruher Michael Pruß und Johannes King, die gemeinsam mit der von der Streitkultur gestellten Sarah Werth antraten. Stuttgart gewann das Halbfinale und stand somit im Finale den Heidelbergern gegenüber. Als Freie Redner waren in diesem Halbfinale Karsten Stölzgen, Nils Haneklaus (DC Stuttgart) und Lorena von Gordon (Streitkultur). Lorena zog als punktbeste Rednerin, die nicht im Team breakte, als Freie Rednerin ins Finale ein.

Das Finalthema war "Sollen EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet sein, andere Mitgliedsstaaten bei Wirtschaftskrisen zu unterstützen?" Das Team aus Heidelberg argumentierte in der Regierung für einen Europäischen Währungsfonds (EWF) der als eine Art "Krankenversicherung" von allen EU-Ländern finanziert und aus dem im Ernstfall nach strengen Vorgaben Hilfe gewährt wird. Damit sollte sichergestellt werden, dass ein einziger kranker Teil des Organismus EU nicht auf den ganzen Körper übergreift. Die Stuttgarter beklagten eine Zwei-Klassen-Hilfe mit einem armen IWF und einem elitären EWF und betonten, dass gerade von notorisch kriselnden EU-Ländern nun gar keine fiskale Disziplin mehr erwartet werden könne.

Das Finale wurde von Peter Croonenbroeck, Sarah Kempf, Andreas Neiser und Markus Herrmann juriert und von Andreas Lazar präsidiert. Die Jury kürte das Team des Debating Club Heidelberg zum Baden-Württembergischen Meister 2009! Als punktbester Redner des Finals wurde von der Jury Jan Lüken ausgezeichnet. Publikumsliebling wurde der Stuttgarter Igor Gilitschenski.

Stuttgarts Clubpräsident Michael Saliba ist zufrieden: "Marcus und Jan sind ja auch Stuttgarter", erklärte er gegenüber der Achten Minute. Jan und Marcus, die für Heidelberg starteten, verbrachten nämlich in diesem Sommer einige Monate in Stuttgart, wo sie Praktika absolvierten - dort hatten sie sich selbstredend dem Stuttgarter Club angeschlossen. Der Heidelberger Vorstand verkündete derweil bereits über den Clubverteiler: Marcus Ewald wird nun auch Fördermitglied des DCH!

Der DCH ist nach 2003 und 2006 zum dritten Mal Baden-Württembergischer Meister im Hochschuldebattieren und führt - wie der Heidelberger Altmeister Daniel Sommer flugs ausrechnete - die inoffizielle BaWü-Bestenliste wieder an.

Die inoffizelle Ewige BaWü-Bestenliste nach den Regeln der VDCH-Bestenliste:

#1: Debating Club Heidelberg (10 Punkte)
#2: Streitkultur Tübingen (9)
#3: Debattierclub Freiburg (4)
#4: Debattierclub München (3)
#5: Debattierclub Stuttgart (2)
#6: Debatte Karlsruhe und Verbalattacke Süd Konstanz (beide 1)

Auf der Internetseite des Debattierklub Wien (DKW) ist bereits ein Artikel über den Streitkultur-Cup online. Für den DKW traten die beiden Turnierneulinge Tobias Gmeiner und Christoph Jäger als Redner an. Florian Prischl schreibt:

"Wichtiger als schnöde Punkte ist für die beiden [Wiener Redner] die immense Erfahrung, die sie sammeln konnten. Tobi: 'Es waren viele helle Köpfe da! Ich konnte mir einiges abschauen und selbst gleich anwenden. Das Turnier hat mich inspiriert!' [...] In der dritten Runde traten sie gegen den späteren Turniersieger 'Die Motten und das Licht' (Bonn/Hamburg) zum Thema 'Brauchen wir Nummernschilder für Polizisten?' an und konnten auch gegen dieses Spitzenteam sehr gut bestehen. Christoph sagte dazu: 'Die Art und Weise, wie die Spitzenredner ihre Reden strukturieren, war auf einem unglaublich hohen Niveau. Wenn Politiker auf dem Niveau der Finalredner sprechen und debattieren würden, würde die allgemeine Politikverdrossenheit schlagartig sinken.' Was sie aus dem Turnier mitnehmen können, war für Tobi und Christoph besonders die 'sehr zugängliche und gut umsetzbare Kritik aus dem Feedback.'"

Der Vorstand des DCH schreibt über den DCH-Verteiler:

"Die Debattier-Saison 2009/2010 hat kaum begonnen, und schon dürfen wir uns freuen, Euch über den ersten großen Erfolg zu berichten: Wir sind Baden-Württembergischer Meister im Hochschuldebattieren 2009! Obendrein wurde Clubredner Jan Lüken Bester Einzelredner des Finals. Schließlich ging auch der Preis für den Besten Nachwuchsredner des Turniers nach Heidelberg an Vereinsmitglied Nicolas Sölter. [...] Mit diesem Erfolg setzt sich der Debating Club Heidelberg auch wieder an die Spitze der Ewigen Bestenliste der BaWü. In diesem Ranking der stärksten Clubs aus Deutschlands stärkster Debattierregion steht der DCH nun auf Platz 1, mit knappem Vorsprung vor unseren Freunden von der Streitkultur Tübingen, die mal wieder ein großartiges Turnier organisiert haben. [...] Neben der Ehre des Siegers bringt dieser Erfolg aber auch eine Verpflichtung mit sich. Traditionsgemäß muss der Gewinner die nächste BaWü ausrichten. Freut Euch also schon jetzt auf die Baden-Württembergische Meisterschaft 2010 im Herbst nächsten Jahres, hier bei uns in Heidelberg. [...] So können wir nach zahlreichen Halbfinal- und Finalteilnahmen das Jahr 2009 mit einem großen Titel abschließen und dürfen alle auf ein ebenso tolles Jahr 2010 hoffen."

SSE Riga IV 2009: Tilbury House erst im Finale von Tallinn gestoppt

Zum elften Mal veranstaltete der Debattierclub der Stockholm School of Economics (SSE) in Riga nun das wahrscheinlich prestigeträchtigste BPS-Turnier Osteuropas. Ohne ihren Zeitplan allzu ernst zu nehmen ist es nicht nur gelungen, mit spannenden Themen und hochdekorierten Juroren (u.a Worldmeister Will Jones) aufzutrumpfen, sondern auch zu beweisen, dass in Osteuropa am Wildesten gefeiert wird.

Mit dabei waren Johannes Norrenbrock und David Lamouroux von Tilbury House Köln. In den fünf Vorrunden sammelten die beiden die Maximalanzahl von 15 Siegpunkten und Johannes belegte den dritten, David den vierten Platz in der Einzelrednerrangliste. Im Halbfinale zum Thema "This House would criminalize denial of soviet crimes against the baltic peoples" gewannen Johannes und David souverän und zogen ohne Mühe ins Finale ein.

Im Finale unterlagen Johannes und David in der Schließenden Regierung zum Thema "This House would remove all restrictions onpublic nudity" einem Team des Tallinn English College: Anna Karolin vom Siegerteam war zuvor beste Rednerin in der Einzelrednerrangliste gewesen, ihr Teampartner Sten-Andreas Ehrlich hatte Rang fünf belegt.

Für den Debattierklub Wien waren Paul Lisowski und Leonhard Weese in Riga, für die das Turnier ein weiterer großer Schritt war, sich debattiermäßig für den Aufbau einer BPS-Szene in Österreich zu rüsten.

David Lamouroux, Johannes Norrenbrock, Leonhard Weese und Paul Lisowski in Riga - die Flagge links ist übrigens nicht etwa die österreichische, sondern die lettische.

Untergebracht in komfortablen Hotels, versorgt mit gutem Essen und umsorgt von Cheforganisator Nikita Pusnakovs, den man auch anrufen darf wenn man einfach nur einsam ist, debattierten zwei Tage lang 44 Teams aus Zentral- und Osteuropa in den luxuriösen Hallen der SSE Riga Themen zwischen der Rücknahme des Streikrechts in wirtschaftlich unruhigen Zeiten, der Eigentumsübertragung aller Leichen an den Staat und die Rücknahme aller Restriktionen gegen Freikörperkultur.

Text und Bild: Leonhard Weese, Debattierklub Wien